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Swisstopo in der Wolke

Letzten Freitag habe ich Wabern das Swisstopo-Kolloquium zum Thema "geo.admin.ch, das Geodatenportal des Bundes" besucht: ich war sehr beeindruckt. Bereits der Untertitel der Veranstaltung "Cloud Computing und Web 2.0 im operationellen Betrieb" liess mich aufhorchen. Bisher hätte ich diese Begriffe nicht unbedingt mit Swisstopo in Verbindung gebracht, nun aber schon.

Vordergründig ist map.geo.admin.ch einfach der Mapviewer der Bundesgeodateninfrastruktur (BGDI), d.h. aller Bundesstellen. Er basiert - wie auch andere Angebote der Swisstopo - auf der bewährten WebGIS-Plattform des Bundes (Mapserver, MapFish, PostGIS, TileCache etc.). Er wirkt auf den ersten Blick sehr aufgeräumt und übersichtlich und bietet die bekannten Funktionen (Navigation, Drucken, Suche). Der Viewer kann in einer Beta-Version bereits jetzt ausprobiert werden. Bemerkenswert an der Oberfläche sind für mich zwei Funktionen:

  1. Die Suchfunktion. Es gibt nur eine einzige Suchbox, in der nach Flurnamen (SwissNames?), Orten, Postleitzahlen aber auch Koordinaten gesucht werden kann. Der Anwender muss nicht zuerst entscheiden, was er genau suchen will und sich dann die richtige Suchbox raussuchen, er kann einfach den Suchbegriff eingeben und los geht's. Wenn das noch z.B. um eine Adressensuche erweitert wird, ist das schon sehr komfortabel.
  2. Die Druckfunktion. Wenn ich die auswähle, erscheint ein kleines Fenster, in dem ich den Massstab auswählen kann. Gleichzeitig sehe ich auf der Karte ein rotes Rechteck, das mir den Bereich anzeigt, der dann auch ausgedruckt wird. Dieses Rechteck kann ich auch verschieben, so dass ich ganz präzise meinen Druckausschnitt definieren kann. In vielen anderen Mapviewern ist das Drucken immer etwas hakelig, weil der angezeigte Kartenausschnitt nie genau mit dem gedruckten übereinstimmt. Das wird hier sehr elegant gelöst. Erzeugt wird ein PDF, das dann abgespeichert und/oder ausgedruckt werden kann. Die Druckqualität ist dabei sehr gut. Selbst wenn ich das PDF auf A3 hochskaliere, erhalte ich eine Ausgabe, die man schon fast als Poster an die Wand hängen kann. Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass dem generierten PDF keine Legende beigefügt würde. Das ist sehr schade, da sehr viele der angebotenen Fachdaten ohne Legende kaum zu lesen sind. Da müsste noch nachgebessert werden.

Was ausserdem auffällt, ist die Performance. Der Viewer ist sehr schnell. Das ist auch kein Wunder, ist er doch - wie schon SchweizMobil - komplett gecached. Keiner der Datensätze, die angezeigt werden können, wird dynamisch angezeigt. Alles ist vorgerechnet! Einzig bei der Suchfunktion und beim Tooltip wird wahrscheinlich direkt auf die eigentlichen Daten zugegriffen. Das bringt mich zu den bemerkenswerten Eigenschaften auf technischer Ebene:

  1. Die gesamte Infrastruktur dieses Viewers wird nicht innerhalb der Bundesverwaltung implementiert (z.B. beim BIT), sondern ist komplett in die Cloud von Amazon (EC2 und S3) ausgelagert. Swisstopo hat dort eine ausgeklügelte Architektur aufgebaut, die sehr schnell und einfach "on demand" skaliert werden kann und damit sehr schnell auf Lastspitzen (z.B. bei Pressemitteilungen etc.) reagieren kann. Das scheint mit einem "traditionellen" Rechenzentrum vorderhand nicht oder nur mit viel Aufwand möglich zu sein. Da ausschliesslich OpenSource-Komponenten eingesetzt werden, muss auch kein Gedanken an allfällige Lizenz-Probleme verschwendet werden. Und da auch nur die effektiv benötigte Serverzeit verrechnet wird, halten sich die Kosten in ganz engen Grenzen.
  2. Diese einfach skalierbare Architektur ermöglicht auch das Cachen jedes Datensatzes. Wenn ein Datensatz aktualisiert wird und neu gerechnet werden muss, können einfach einige zusätzliche TileWorker-Server gestartet und zum Rechnen verknurrt werden, ohne dass die übrigen Server damit belästigt werden. Das Rechnen eines Caches wird somit zu einer kontrollierbaren Sache und kann ruhig für jeden Datensatz eingesetzt werden.
  3. Der Viewer ist nicht die einzige Möglichkeit, wie map.geo.admin.ch genutzt werden kann. Wer den Viewer in eine eigene Webseite integrieren will, kann das sehr einfach über die Geoadmin-API erreichen. Darüber kann ich mittels einiger weniger Ergänzungen meines HMTL-Codes einen Mapviewer in meine Webseite integrieren, ohne dass ich dazu einen Programmierer beschäftigen muss. Ein mögliches Anwendungsgebiet, dass die Swisstopo damit anstrebt, sind z.B. Anfahrtsskizzen, die jede Amtsstelle der Bundesverwaltung nach eigenem Gusto bereitstellt. Sei es mit Google Maps, sei es mit map.search.ch oder mit einer selbstgestrickten statischen Karte. Mit der API können solche Anfahrtspläne einfach umgesetzt werden und gleichzeitig auf die Geodaten des Bundes zugegriffen werden. Die API ist momentan für den Einsatz auf Seiten Bundesverwaltung vorgesehen, daher ist auch eine Registrierung notwendig.

Das ganze hat auch noch einen "wunden" Punkt. Im Mapviewer kann nach Geodaten (in der Regel Geobasisdaten des Bundes) gesucht werden. Ausserdem können für jeden angezeigten Datensatz auch die dazugehörigen Metadaten angezeigt und ausgedruckt werden. Das wertet die Daten auf. Allerdings kommen diese Metadaten nicht (oder noch nicht?) aus der kürzlich aufgeschalteten Metadaten-Applikation des Bundes (Geocat 2)! D.h. die Metadaten werden z.Zt. redundant gehalten. Ich bin der Meinung, dass diese Vernetzung noch stattfinden muss. Erst dann kann wirklich von einer Geodateninfrastruktur geredet werden.

Von diesem Manko abgesehen hat mich geo.admin.ch überzeugt. Ein Besuch der BETA-Seite lohnt sich auf jeden Fall. Auch die Folien des Kolloquiums sind sehr interessanter Lesestoff für über die Festtage!

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Das Amt für Geoinformation des Kantons Bern (mein Arbeitgeber) sucht per 1. April 2010 eine/n Geomatikingenieur/in ETH oder FH für die Projektleitung "Bezugsrahmenwechsel LV03 - LV95". Mehr Informationen sind in der offiziellen Stellenausschreibung zu finden.

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Geocat 2 ist online

Letzte Woche wurde mit etwas Verspätung endlich das komplett überarbeitete nationale Geometadatenportal Geocat in Betrieb genommen. Die Vorgängerversion wurde durch eine komplette Neuentwicklung auf Basis von Geonetwork ersetzt. Auf den ersten Blick fällt mir auf, dass das Hauptproblem der ersten Version -- die verteilte Suche in verschiedenen Datenbanken -- nicht mehr akut ist. Neu sollen Metadaten per CSW-Harvesting von entfernten Servern (z.B. der Kantone) regelmässig repliziert werden. Ob dies jetzt schon der Fall ist, kann ich nicht beurteilen, die Suche funktioniert jedoch ansprechend schnell.

Die Oberfläche wurde natürlich ebenfalls neu gemacht. Wie es scheint, wurde hier das ExtJS-Framework verwendet. Auf den ersten Blick wirkt die Homepage auf mich etwas überladen, sind doch praktisch alle Funktionen (Suche, Kartenfenster, Suche verfeinern etc.) eingebaut. Weniger wäre hier wohl mehr gewesen. Sehr schön ist der RSS-Feed mit den letzten Aktualisierungen, der Feed ist sogar ein GeoRSS-Feed inkl. Geometrie (z.B. BoundingBox).

Die einfache Suche ist schon recht praktisch. Die wichtigsten Abfragen können hiermit recht effizient ausgeführt werden. Sehr gut ist auch die Suche nach Diensten (WMS und WFS), jedoch gibt es hier noch keine Resultate. Der Bereich mit den Suchresultaten ist auch praktisch, etwas gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Detailansicht. Die wird als separates DIV-Fenster eingeblendet, was mich nicht ganz überzeugt. Das könnte man doch auch in dem Bereich einblenden, in dem die Suchresultate eingeblendet werden (mit Zurück-Knopf). Ausserdem ist die Detailansicht mit ihren vielen Rahmen recht unübersichtlich. Allerdings ist es natürlich nicht ganz so einfach, einen umfassenden Metadaten-Standard wie GM03 auf einer HTML-Seite übersichtlich darzustellen.

Alles in allem ist Geocat 2 sicherlich ein Fortschritt im Vergleich zum Vorgänger. Wichtig ist jetzt allerdings, dass auch Metadaten abgefüllt werden, damit Geocat 2 zu recht den Namen "nationaler Metadatenkatalog" tragen kann.

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Geoinformationsstrategie des Kantons Bern

Am 2. Dezember 2009 hat der Regierungsrat des Kantons Bern die "Geoinformationsstrategie des Kantons Bern" beschlossen. Damit wurde der Einsatz von Geoinformation und die bisher gelebte Organisation auf ein tragfähiges Fundament gestellt. Ausserdem wirft die Strategie natürlich auch einen Blick in die Zukunft, indem sie eine Vision formuliert und die Handlungsschwerpunkte für die nächsten Jahre vorgibt. Die Vision ist in drei Kernsätzen festgehalten:

  1. "Geoinformationen steigern die Qualität raumbezogener Prozesse und Entscheide in der kantonalen Verwaltung. Bei räumlichen Fragestellungen bilden sie das zentrale Element der Kommunikation und Interaktion mit öffentlichen Verwaltungen, privaten Institutionen, Firmen sowie Bürgerinnen und Bürgern."
  2. "Die kantonalen und kommunalen Geoinformationen sind in der Nationalen Geodateninfrastruktur gesamtschweizerisch vernetzt und einfach zugänglich. Die digitalen Daten stellen die verbindliche Grundlage dar."
  3. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung sind in der Lage, stufengerecht die Geoinformationen in ihre Arbeitsprozesse zu integrieren, mit anderen Daten zu kombinieren und wirkungsvoll zu nutzen."

Geoinformation definiert sich somit nicht als Selbstzweck, sondern sie will in der kantonalen Verwaltung die Rolle eines wichtigen Werkzeuges einnehmen, damit letztendlich die Effizienz und die Qualität der Entscheide und Prozesse erhöht werden kann. Die Vision wird anschliessend in thematisch gruppierten Leitsätzen (Geodaten, techn. Infrastruktur, Organisation, Mitarbeitende, Finanzen) verfeinert. Am konkretesten wird die Strategie dann in den Zielen. Dort werden wichtige Fakten festgehalten, so z.B. dass Geodaten im Zuständigkeitsbereich des Kantons weiterhin als Public Domain frei übers Internet heruntergeladen werden können.

Alles in allem ist die Geoinformationsstrategie ein gelungener Mix aus Dokumentation des Bestehenden und dem Blick in die nähere Zukunft. Der Text ist so gehalten, dass er nicht nur GIS-Spezialisten anspricht. Dies ist mein persönlicher Eindruck. Es gilt jedoch festzuhalten, dass ich nicht neutral bin, da ich in bescheidenem Rahmen bei der Erarbeitung der Strategie mitgearbeitet habe.

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